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Arbeitszeugnis - Tipps und Formulierungen
Für das Arbeitszeugnis ist allein der ehemalige Arbeitgeber zuständig und somit besteht weder die Option einer Einflussnahme vonseiten des Bewerbers noch die Veranlassung, sich näher damit zu befassen. Der erste Teil dieser Aussage mag zwar stimmen, der Zweite bei näherer Betrachtung dagegen nicht so ganz. Dokumente dieser Art unbesehen der Mappe hinzuzufügen, kann sich spätestens im Vorstellungsgespräch äußerst ungünstig auswirken.
Wem es gelingt, sich zu seiner eigenen Beurteilung zu äußern, ohne deren Inhalt zu kennen, dürfte sich nämlich zu Recht David Copperfields Nachfolger nennen. In der Regel wird der Zaubertrick aber schon an der Frage "wie stehen Sie zu der Einschätzung Ihrer Arbeitsleistung durch Herrn XY" scheitern. Wer sich nicht auf reine Spekulationen verlassen möchte, sollte deshalb die Geheimsprache von Arbeitszeugnissen verstehen.
Und keine Sorge, so schwer wie mancher dabei zunächst vielleicht vermutet, gestaltet sich diese Übersetzung nicht, denn alle Vorgesetzten verwenden überwiegend die gleichen oder wenigstens ähnliche Formulierungen - immerhin verfolgen die dort enthaltenen und verschlüsselten Informationen letztendlich das Ziel, von Kollegen verstanden zu werden.
Insgesamt heißt es den Stil, die Gesamtbewertung und die Bewertung einzelner Bereiche zu analysieren. Allein die Länge des Schriftstücks gibt erste Hinweise. Während für niedrige Stellungen eine einzige Seite durchaus angemessen ist, haben weniger als zwei bis drei Seiten bei Führungspositionen einen deutlich negativen Beigeschmack. Auch gänzlich unerwähnte Kategorien wie die Bereitschaft an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen oder Teameinbindung setzen ungünstige Signale. Äußerst positiv dagegen darf ein individuell aufgesetztes Arbeitszeugnis im Vergleich zur Verwendung einer standardisierten Vorlage interpretiert werden.
Den zentralen Anhaltspunkt bieten aber die verwendeten Wendungen. Diese sollten nicht wörtlich genommen, sondern in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Begriffe wie erfolgreich, motiviert oder engagiert für sich genommen bedeuten lediglich eine mittlere Einstufung, die der Schulnote befriedigend entspricht. In Verbindung mit dem Hinweis auf Konstanz, sprich mit dem Zusatz "immer" oder "stets", ergibt sich daraus bereits die Note gut. Erst die Kombination aus Superlativen und Konstanz also zum Beispiel Sätze wie "immer sehr engagiert" oder "stets äußerst motiviert" stehen in diesem Zusammenhang für sehr gut. Auf bereits bedenklichem Level befinden sich dagegen die Umschreibungen "zufriedenstellend" und Ähnliches.
Selbstverständlich erwartet niemand, dass Sie sämtliche Arbeitszeugnisse auswendig kennen, doch mit den letzten zwei bis drei sollten Sie sich intensiver befassen; sie nur zu überfliegen genügt nicht. Eine positive Gesamtbewertung allein zum Beispiel sagt wenig aus. Sind einzelne Bewertungen schlecht, so werden diese vermutlich gesondert zur Sprache kommen und Sie sollten eine passende Begründung zur Hand haben.
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